Reine HDR Bilder wirken für mich oft zu stark kitschig. Oder sie haben diesen typischen HDR-Look mit Helos, Saumrändern und völlig überzogenem Tonwertumfang. Aber das ist Geschmacksache und es gibt eine riesige Community, welche diese Art von HDR's liebt.
Mir persönlich gefällt der Mittelweg. Das geschulte Auge merkt sofort, dass HDR im Spiel war. Aber ich versuche, wenn irgendwie möglich die typischen HDR-Merkmale soweit abzuschwächen, dass sich ein eigener Bildstil entwickelt.
Die Entstehung:
Als erstes habe ich die RAW-Bilder in Lightroom importiert und dort ein HDR-Fake erstellt. Da ich keine Belichtungsreihe zur Verfügung hatte, habe ich einfach das Ausgangsbild verwendet und davon eine unter- und eine überbelichtete Variante erstellt (Virtuelle Kopie des Originals erstellen und bei den Grundeinstellungen die Belichtung dafür nach unten und oben korrigieren).
Lightroom diente mir in diesem Fall zudem auch für das Entfernen des Rauschen und dem Zufügen der Schärfe. Beide Tools sind im Lightroom sehr gelungen und sehr praktisch zu handeln. Beide Prozessschritte habe ich übrigens vor dem Tonemapping gemacht, weil während des Tonemappings Rauschen entstehen kann.

Die drei Belichtungsvarianten habe ich direkt von Lightroom in Photomatix Pro exportiert und dort ein Tonemapping erstellt. Das Resultat darf dabei ruhig überkitschig wirken - das behebe ich jeweils später im Lightroom, bzw. Photoshop. Insbesondere die Highlights habe ich verstärkt, um das Gelb des Sonnenuntergangs zu verstärken.

Zurück im Lightroom (erneuter Import) habe ich noch etwas an den Grundeinstellungen rumgespielt und dabei vorallem die Tiefen nach oben geschoben und den Weisspunkt verändert. Auch die Belichtung habe ich nochmals etwas runtergefahren. Dabei habe ich mich wenig auf den Fischer selber konzentriert, sondern mehr auf die Farben und die Wirkung des Hinter- und Vordergrunds. ...den Fischer bearbeiten wir dann in Photoshop.

Die einzelnen Ebenen im Photoshop

Danach habe ich erneut das RAW-File über den RAW-Konverter bearbeitet und geöffnet. Auch dort habe ich die Tiefen nach oben geschraubt, um ein flaches Ausgangsbild zu haben.
In einem ersten Schritt wurde das HDR über das Origninalbild gelegt und die Deckkraft so lange verändert, dass es eine gute Mischung ergeben hat.
Der nächste Schritt besteht darin, dass ich ein von Calvin Hollywood abgeschauten Trick angewendet habe. Er nennt diesen Prozssschritt „freaky details“. Eine sehr effektive Methode, um Details überzeichnet darzustellen. Besonders die Steine, die Wellen und Hose/Jacke des Fischers wollte ich damit hervorheben. Den genauen Prozess beschreibt Calvin Hollywood hier auf seinem Youtube-Channel.
Durch die HDR-Bearbeitung wurde der Hautton des Fischers übernatürlich rot und satt. Dies habe ich mit einer einfachen Korrektur angepasst. Dafür eine neue Einstellungs-Ebene „Farbton-Sättigung“ erstellt und in den Rottönen den Regler „Sättigung“ nach unten gezogen und der Farbtonung etwas mehr gelb zugeführt. Das Selbe habe ich mit den Haaren gemacht, die nach dem Tonemapping viel zu purple wurden. Dort habe ich im Blau- und Magentaton den Regler „Sättigung“ nach unten geschoben. Mit einer Maske und einer weissen Pinselspitze habe ich jene Stellen ausgewählt, welche Hautton beinhalten (Gesicht und Hände).
Dodge & Burn dürfte den meisten Bildbearbeitern bekannt sein. Es geht um die Verstärkung der hellen und dunklen Mitteltöne, um eine plastischere Wirkung zu erzielen. Hierfür gibts unterschiedliche Methoden. Ich bevorzuge den Weg über die Einstellungsebene Gradationskurven und bearbeite jeweils in der Ebenenmaske und einer Pinselspitze von 20% die hellen und dunklen Stellen. Dodge & Burn lässt sich übrigens nicht nur für Hautpartien anwenden; Ich habe damit auch einzelne Stellen in den Steinen und in den Wellen angepasst.
Somit wären wir schon fast am Schluss der Bearbeitung. Ich habe nachträglich noch einige Sonnenstrahlen eingezeichnet. Diese habe ich auf einer neuen Ebene von Hand gemalt. Für die Strahlen habe ich mit dem Pfadwerkzeug Sonnenstrahlen (langgezogene Dreiecke) erstellt. Die Pfade wurden dann in eine Auswahl umgewandelt und mit weisser Farbe gefüllt. Über den Filter „Gauscher Weichzeichner“ habe ich die Sonnenstrahlen weicher gemacht. Danach die Einstellungsebene auf „weiches Licht“ anpassen und die Deckkraft auf 9% eingestellt. Anschliessend habe ich den Fischer grob maskiert, damit die Sonnenstrahlen hinter ihm verlaufen.
Zum Schluss habe ich noch einige kleine Anpassungen im Bereich Gradationskurven, Selektive Farbkorrektur (blau) und in der Farbton/Sättigung gemacht. Das wars.

Das Making-of am Strand bei Bodrum