Taj Mahal-Zeugs
Das Taj Mahal steht bekanntlich in Agra - einige Autostunden von Indiens Hauptstadt Delhi entfernt. Wer Indien bereist sollte wenn möglich das Taj Mahal in seine Planung miteinbeziehen. Es ist wirklich umwerfend! Die Stadt selber bietet eigentlich nichts Spezielles. Im Gegenteil! Agra würde ich zu den eher übleren Städten Indiens zählen. Obschon es in Agra einige spannende Plätze gibt, bin ich jeweils froh, wenn ich die Stadt möglichst schnell hinter mir lassen kann. Vielleicht liegts daran, dass mir Agra immer besonders abgefuckt und dreckig vorkommt und das einzige was glänzt das Taj Mahal ist. Trotzdem komme ich oft wieder hier hin und lasse mich von einem der schönsten Bauwerke der Welt verzaubern.
Wer maximales Erlebnis möchte oder einfach nur das beste Licht für Foto-Aufnahmen sucht, muss leider in den sauren Apfel beissen und zwischen 06.00 und 06.30 vor dem Eingang des Taj Mahal stehen. Es lohnt sich, schon so früh unterwegs zu sein, um eine möglichst menschenleere Anlage vorzufinden und auch, um das erste Morgenlicht auf dem weiss glänzenden Marmor des Taj Mahals einzufangen.
Ich hatte vor 10 Jahren mal das Glück, dass über der ganzen Stadt ein dichter Morgennebel lag. Der Nebel tauchte die ganze aufwachende Stadt in eine mystische Stimmung und als ich am Taj Mahal ankam, rissen die ersten Morgenstrahlen die Nebelschwaden auf und beleuchteten das Taj Mahal im Strahlenmeer, und im Hintergrund die reflektierenden Nebelfetzen, welche sich wie Zuckerwatte von links nach rechts durchs Bild zog. Damals war noch analoge Zeit und die Bilder hocken jetzt irgendwo in einem verstaubten Dia-Archiv, das ich zwar immer wollte aber nie gescannt habe ;-)
Das Stativ kann man übrigens getrost zu Hause lassen. Stative sind nämlich verboten. Ich empfehle überhaupt, das technische Equipment bei einem Taj Mahal-Besuch aufs Minimum zu beschränken. Nach den Terror-Anschlägen vom 26.11.2008 in Mumbai herrschen im ganzen Land verstärkte Sicherheitsvorschriften. So auch beim Eingang zum Taj. Rucksäcke, Taschen und Kleider werden von Sicherheitspersonal durchsucht und die Metalldetektoren scheinen auch wirklich zu funktionieren. Die Zigaretten und das Feuerzeug werden gleich eingesackt (Unterhosenversteck hat funktioniert), um das Zeugs weiter hinten in Einzelportionen auf dem lokalen Markt zu verkaufen. Es gibt zwar Schliessfächer, die sind aber 200 Meter vom Haupteingang entfernt, in einem Nebengebäude. Am besten man nutzt die gleich vor dem Kauf der Tickets und verstaut alles unnötige im Schliessfach.
So faszinierend das Taj Mahal beim ersten Anblick auch sein mag; ich empfehle, direkt die Seitengebäude auf der Ostseite anzusteuern. Von dort hat man eine phantastische Sicht aufs Taj und den besten Sonnenlichteinfall. Zudem tummeln sich dort in der Anfangszeit am wenigsten Leute rum, weil alle direkt zur Hauptattraktion pilgern. So sind mir auch die seitlichen Aufnahmen gelungen, auf welchen nur ganz wenige Personen zu sehen sind.
Wer das klassische Taj Mahal-Postkartenfoto schiessen möchte, kann um diese Jahreszeit im März auch noch etwas später auf den Auslöser drücken. Wer im März gleich nach Toröffnung die Anlage betritt erlebt die Sonne eher noch zu tief, damit die ganze Szenerie vollständig schön ausgeleuchtet ist. Hätte ich das Stativ gehabt, wäre das Licht für eine Langzeitbelichtung wohl perfekt gewesen - ISO hochschrauben wollte ich jedoch nicht. Ein weiterer Grund, warum es Sinn macht, sich zu allererst im Ostteil für die bevorstehenden Aufnahmen einzurichten. Um ca. 07.30 steht die Sonne schon etwas höher und beleuchtet - optimal für Weitwinkelaufnahmen - die ganze Anlage mit einem warmen, gleichmässigen Morgenlicht.

Rikschafahrer in der Blitzfalle.
Wir mussten auf unsere Karre warten und so habe ich während der Wartezeit am Strassenrand auf einem Stativ zwei Blitze montiert, die ich über den SU-800 ansteuern konnte. Die Blitze können beim SU-800 entweder einzeln oder als Gruppe ausgelöst werden. In diesem Fall habe ich beide Blitze zu einer Gruppe zusammen genommen und diese über den SU-800 ausgelöst. Ich musste eigentlich nur warten, bis jemand im richtigen Abstand vorbeikam. In diesem Fall wars ein Rikschafahrer.
Durch die Wahl einer langen Verschlusszeit (1/30), hatte ich die Garantie, dass durch die nachführende Bewegung der Kamera (der Rikschafahrer kam ziemlich schnell und ich habe die Kamera in Fahrtrichtung von rechts nach links geführt) der Hintergrund verwischt. Da jedes Objekt, das angeblitzt wird auf dem Foto einfriert, ist der Rikschafahrer scharf und der Rest in einer schönen, dynamischen Bewegung.
Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900, SB-800, SU-800
1/30, f6.3, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8
1/250, f4.5, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8
1/200, f7.1, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900, TTL-Kabel, CTO-Folie
1/160, f5, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900, TTL-Kabel, CTO-Folie
1/160, f5, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900
1/200, f8, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8
1/3200, f9, ISO 200

Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900
1/200, f8, ISO 200

Glück gehört ebenfalls zum Leben eines Fotografen. Ich kam eben von meinen Taj Mahal-Aufnahmen zurück und wir gönnten uns einen Chai, als wir beim Teetrinken eine Gruppe Jungs beobachteten, die sich um einen Brunnen versammelten. Sie haben wohl irgendwo in der Gegend ein Zimmer gemietet - allerdings ohne Bad, wie es den Anschein machte. Denn alle begannen mit ihrer ausgiebigen Morgentoilette, viel Seife, viel Gelächter und jede Menge Wasserspritzerei. Ich hatte noch die Kamera und den Blitz von vorher griffbereit und so gesellte ich mich zur Gruppe und machte einige belanglose Aufnahmen, um die Jungs bei der Stange zu halten. Dabei wollte ich unbedingt das Morgenlicht im Gegenlicht haben, die schon ziemlich stark strahlte und schraubte deshalb den Blitz fast bis zum Anschlag (1/4).
Bei Situationen wie diesen hat man nicht viel Zeit zum Denken. Meine Devise: Technik stimmt, also voll aufs Motiv konzentrieren und schnell abdrücken. Hätte ich hier zu lange gezögert oder nochmals einen Blick auf irgend eine Einstellung geworfen, wäre der Moment verloren gewesen. Deshalb; immer zuerst die Technik fixen, damit man sich anschliessend voll aufs Motiv konzentrieren kann.
Nikon D3s, 20mm 2.8, SB-900, TTL-Kabel, CTO-Folie
1/200, f10, ISO 200