Heute schreibe ich mal etwas zum Thema Photoshop und zeige auch gleich eine vorher-/nachher-Vergleich. Es ist nicht so, dass Photoshop das Allzweckmittel für schöne Bilder ist. Allerdings kann man damit - richtig eingesetzt - einiges aus einem normalen Bild rausholen.
Letzten Samstag hatten wir ein cooles Portrait-Shooting in unserem Studio. Beleuchtungstechnisch habe ich mich für einen Beauty Dish entschieden und von hinten habe ich zwei harte Streiflichter mit Wabenvorsatz gesetzt. Unsere Windmaschine hat noch richtig Dampf gegeben und so entstand ein schön dynamisches Portrait. Nur mit dem Hintergrund bin ich im Nachhinein nicht ganz so glücklich - der ist mir etwas zu unruhig.
Mit Photoshop-Bearbeitung:
Ohne Photoshop-Bearbeitung:
GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN MIT PHOTOSHOP
Bei meinen Arbeiten mit Photoshop gehe ich immer den non-destruktiven Ansatz. D.h. ich arbeite mit Ebenen und Masken oder dupliziere das Hauptbild, um nicht die Original-Datei zu beschädigen. Zusätzlich arbeite ich mit RAW-Dateien, um den gesamten Dynamik-Umfang und die Möglichkeiten des RAW-Konverters voll auszuschöpfen.
DER „RICHTIGE WORKFLOW“
Jeder muss für sich selber den richtigen Workflow finden; Also den passenden Ablauf beim Bearbeiten von Bildern. Je nach Art des Themas kann dieser unterschiedlich sein (Architektur, Beauty/Fashion, Natur, Tiere, etc.).
Bei Beaut-Retouchen gehe ich wie folgt vor:
- Zuerst mache ich die Hautretouchen (Beheben von Unreinheiten)
- Danach korrigiere ich Formen und Strukturen (Korrektur von Proportionen)
- Danach widme ich mich den dominanten Elementen wie Augen, Lippen, Zähne und Hände).
- Im Anschluss werden die Highlights und Tiefen beeinflusst (Hervorhebung der hellen und dunklen Bereiche).
- Wenn alle klassischen Retouche-Arbeiten abgeschlossen sind, optimiere ich die Hautstruktur und korrigiere selektiv den Schärfe-Bereich (Selektives Weichzeichnen und Schärfen)
- Fast zu Letzt widme ich mich der grundsätzlichen Bearbeitung von Kontrast, Dynamik, Tonwert oder Farbkorrekturen.
- Und erst ganz am Schluss greife ich selektiv in einzelne Bildbereiche ein, wenn es darum geht spezifische Bereiche über Tonwertkorrektur, Farben oder die Gradationskurve zu beeinflussen.
Das gesamte File wird immer als PSD-File (Photoshop-Datei) abgespeichert, um jederzeit wieder an den Ebenen Veränderungen vorzunehmen.
Volle Ansicht aller verwendeten Ebenen-Paletten:

HAUTRETOUCHEN
Zuerst beginne ich mit den Hautretouchen. Hierfür dupliziere ich die Hintergrund-Ebene und arbeite abwechslungsweise mit dem Ausbesserungs-Werkzeug oder mit dem Stempel-Werkzeug. Bei der Hautretouche entferne ich Hautunreinheiten, ungewünschte kleine Falten oder andere störende Elemente wie einzelne Haare, Staubpartikel oder Flecken. ACHTUNG: Wer nicht in der Beauty-Welt zu Hause ist, sollte bei den Hautretouchen nicht übertreiben. Der Mensch ist nun mal nicht perfekt und einige „Hautunreinheiten“ gehören auch durchaus zur Persönlichkeit eines Menschen. Man kann auch sagen; „Ein charaktervolles Gesicht lebt von Kampfspuren“. Überlegt euch also gut, wieviel man wegretouchieren soll und wo zu viel Retouche die Persönlichkeit des Menschen auf dem Bild verändert. Ein zu stark retouchiertes Gesicht wirkt schnell unnatürlich. Bei diesem Bild war dies durchaus gewollt - doch selbst hier habe ich die Hautstruktur nicht komplett zugemalt.

Hautretouche vor der Bearbeitung
Hautretouche nach der Bearbeitung:

KORREKTUREN VON FORMEN UND PROPORTIONEN
Ein sehr heikler Bereich. Hier kann schnell viel schief gehen. Im Wesentlichen geht es darum, bei diesem Prozessschritt einzelne Bereiche in Form zu bringen. Mit der Funktion „Verlüssigen“ (Filter > Verlüssigen) korrigiere ich Gesichtskanten, Körperformen und allgemein Proportionen, so wie es mir gefällt. Man könnte hier ganze Abhandlungen von zum Thema Proportionen schreiben. Schlussendlich bleibt es im Ermessen des Bildbearbeiters, wieviel Korrektur notwendig ist und wo das Limit erreicht ist.

Bereits Leonardo Da Vinci hat sich damit befasst, die Proportion des Gesichtes in eine wissenschaftliche Formel umzuwandeln und es gibt auch in der neusten Zeit zahlreiche fundierte Studien, welche sich mit diesem Thema befassen. Hierbei haben sich vorallem die Arbeiten von Dr. Stephen R. Marquardt etabliert und dessen Raster gilt für viele als hilfreiche Information bei der Definition optimaler Gesichtsproportionen. Auf seiner Website ist die gesamte Abhandlung seiner Erkenntnisse für jedermann frei zugänglich (auch wenn er bezüglich Website-Gestaltung kein grosses Gespür für Ästhetik, Proportionen und Design besitzt ;-)
Den Rest der Bildbearbeitung gibts in einem meiner Folge-Beiträge.